DIN EN 131 - Die Leiternorm einfach erklärt

Die Teile 1 bis 4 der DIN EN 131 regeln die wichtigsten Aspekte für tragbare Leitern im beruflichen oder privaten Gebrauch. Die Norm wurde seit 2018 nach und nach überarbeitet. Aktuell wurde im Mai 2020 der neue Teil 4 veröffentlicht. Weitere Teile sind derzeit seitens CEN (Europäisches Komitee für Normung) in Überarbeitung.

DIN EN 131 Teil 1 – Benennungen, Bauarten, Funktionsmaße

Erhöhte Standbreite und Traverse sind die wesentlichen Änderungen dieser Fassung.
Leitern ab 3 Meter Länge müssen mit einer Stand-Verbreiterung oder Traverse ausgestattet sein, wenn sie auch als Anlegeleiter genutzt werden können. Diese gilt auch für Multifunktionsleitern.
Die Breite b2 der Stabilisierungseinrichtung ist abhängig von der Länge der Leiter. Sie berechnet sich nach der Formel
Länge Standverbreiterung = (0,1 x Leiternlänge) + Breite der Leiter
Die maximale Breite der Traverse ist auf 1,2 m begrenzt.

Traversenleitern und ihre Typen

Bei mehrteiligen Leitern wie Schiebe- oder Mehrzweckleitern, ist eine Auszugssperre vorzusehen, sodass die Leiternteile nicht mehr voneinander getrennt und einzeln verwendet werden können.
Dies gilt, sofern die Einzelteile länger sind als 3 Meter. 

Auswirkungen DIN EN 131 Teil 1 für den Anwender

Wenn die Leiter durch andere geeignete Maßnahmen wie Gurte oder Einhängehaken abgesichert wird, kann auf den Einsatz einer Traverse verzichtet werden.

Ältere Leitern ohne Traverse haben Bestands-Schutz. Das heißt, sie müssen nicht zwingend mit einer Traverse nachgerüstet werden. Jedoch ist anhand einer Gefährdungsbeurteilung abzuwägen, ob ohne Standverbreiterung hinreichende Sicherheit gegen Wegkippen gewährleistet ist (siehe Betriebssicherheitsverordnung BetrSichV). Die DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung) empfiehlt die Nachrüstung älterer Leitern mit einer Standverbreiterung. Auch ältere BAVARIA-Leitern werden mit Nachrüst-Traversen sehr einfach auf den Stand der Technik gebracht. Es sind bei MAUDERER außerdem klappbare Standverbreiterungen erhältlich. Dies vereinfacht Transport und Handling.

Traversen Typen BAVARIA Leitern - Starr und Klappbar
links: fixe Traverse / rechts Klapp-Traverse für Leitern

Eine Leiter ohne Traverse kann auch durch andere geeignete Maßnahmen, wie beispielsweise Einhängehaken oder Zurrgurt, gegen Umfallen abgesichert werden. In diesem Fall ist davon auszugehen, dass gleichwertige Sicherheit gegen Kippen gewährleistet ist.


DIN EN 131 Teil 2 - Anforderungen, Prüfung, Kennzeichnung

Erhöhte Anforderungen an Belastungs- und Funktionstests sind die wesentlichen Neuerungen. Es wird beschrieben, wie eine Leiter zu prüfen ist und welche Anforderungen an die Festigkeit und Durchbiegung einzuhalten sind. Haushaltsleitern müssen demnach reduzierte Anforderungen erfüllen. Für Stehleitern ist neben der Festigkeitsprüfung in Gebrauchsstellung auch ein dynamischer Belastungstest durchzuführen. Dieser Dauerhaltbarkeits-Nachweis (Stampftest mit 50.000 Lastzyklen für professionellen Einsatz) soll die Mindest-Lebensdauer einer Leiter simulieren. Die Rutschfestigkeit der Leitern-Füße ist durch eine entsprechende Rutschprüfung nachzuweisen. Darüber hinaus werden für Stehleitern sowie für Anlegeleitern die Anforderungen an eine Torsionsprüfung (Nachweise der Steifigkeit gegen Verdrehen bzw. Verwindung) beschrieben. Auch die Festigkeit von Stabilisierungseinrichtungen (Stützen) und von Spreizsicherungen muss nachgewiesen werden.

Auswirkungen DIN EN 131 Teil 2 für den Anwender

Neu ist die Unterscheidung zwischen privatem und beruflichem Einsatz. Alle Leitern sind dementsprechend zu kennzeichnen. Gewerbliche Anwender müssen darauf achten, dass sie ausschließlich Leitern „für den beruflichen Gebrauch“ verwenden.

BAVARIA Leitern entsprechen den strengen Vorgaben für beruflichen Gebrauch und können daher sowohl privat als auch gewerblich eingesetzt werden.

Piktogramme Beruflicher Gebrauch (professional)
Beruflicher Gebrauch (professional)

DIN EN 131 Teil 3 - Kennzeichnung und Gebrauchsanleitungen

Benutzer-Anleitungen müssen in gedruckter Form zusammen mit den Leitern ausgeliefert werden. Im dritten Teil der Leiternorm wird auch der Inhalt der Gebrauchsanleitung geregelt. So ist hier beispielsweise zu beschreiben, wie eine Leiter zu prüfen ist. Angaben zu Wartung, Montage, Verwendungs-Möglichkeiten und Lagerung sind zu erstellen.

Auch die Sicherheitshinweise auf den Leitern in Form von Piktogrammen sind geregelt.

Die Piktogramme entsprechen jetzt  den internationalen ISO-Ausführungen.
Erläuterungen zu den Piktogrammen finden Sie hier

Auswirkungen DIN EN 131 Teil 3 für den Anwender

Der Anwender erhält detaillierte Information zum sicheren Gebrauch des Produkts. Durch die Wartungs- und Prüfhinweise ist er in der Lage, die Leiter stets in einem gebrauchssicheren Zustand zu erhalten und gefährliche Anwendungen zu vermeiden.


NEU: DIN EN 131 Teil 4 - Ein- oder Mehrgelenkleitern

Dieser Teil gilt seit Oktober 2020 ist speziell für Leitern mit Sonderbauform wie Teleskopleitern oder Mehrgelenkleitern mit Arbeitsplattform. Hier werden sowohl Funktionsmaße als auch Anforderung und Prüfverfahren für diese gängigen Typen geregelt.

So sind etwa Vielzweckleitern (Sechsgelenkleitern mit 4×3 Sprossen, auch als Kofferraum-Leitern bekannt), die als Arbeitsbühne verwendet werden können, inklusive passender rutschfester Plattform auszuliefern. Dies ist beim BAVARIA-Behelfsgerüst ohnehin bereits der Fall.

BAVARIA Sechsgelenkleiter 981-6 als Behelfsgerüst
Auch Teleskopleitern müssen mit einer Standverbreiterung ausgestattet sein, wenn sie in Anlegeposition länger als 3m ausgefahren werden können.

Auswirkungen DIN EN 131 Teil 4 für den Anwender

Auch für Teleskopleitern, die in der Praxis meist in Steh-Position verwendet werden, ist künftig ab 3m Länge eine Standverbreiterung nötig, wenn die Leiter in Anlegeposition eingesetzt wird. Dies betrifft alle Bauarten ab der Größe 4x4 Sprossen. BAVARIA Teleskopleitern sind daher seit einigen Jahren auch in einer Ausführung mit kompakter Klapp-Traverse erhältlich, die vollumfänglich der aktualisierten Norm entspricht. Außerdem kann dieser Typ durch die gerade Ausführung des oberen Leiternteils auch in Anlege-Position als Überstieg beispielsweise auf eine höhergelegene Ebene genutzt werden.

Auch die klassische geschweifte Leiter ist nach wie vor erhältlich. Wird sie in Anlege-Position verwendet, ist sie jedoch gegen seitliches Wegrutschen abzusichern. Dies kann beispielsweise mit einem Zurrgurt erfolgen. Darüber hinaus ist ein Überstieg von der Leiter (beispielsweise auf ein Dach) bei dieser Ausführung nicht erlaubt.
Auch hier ist auf die Unterscheidung zwischen beruflichem und privatem Einsatz zu achten.

Teleskopleitern
links: 985 klassisch in beidseitig geschweifter Ausführung. rechts: 985 KST mit Klapp-Traverse
Teleskopleiter nach DIN EN 131-4 als Treppenleiter
Teleskopleiter nach DIN EN 131-4 als Stehleiter
Teleskopleiter nach DIN EN 131-4 als Anlegeleiter
Teleskopleiter nach DIN EN 131-4 als Anlegeleiter zum Überstieg

Weitere wichtige Normen und Richtlinien für Leitern und Tritte sowie Fahrgerüste

DIN EN 131-6: Teleskopleitern

DIN EN 131-7: Mobile Podestleitern

DIN EN 14183 Tritte

Tritte sind in dieser einteiligen Norm geregelt fest. Geregelt werden Maße, technische Merkmale, Werkstoffe, Anforderungen an die Gebrauchstauglichkeit sowie Prüfverfahren und die Definition des Nutzungsbereichs.

DIN EN 1004 Fahrbare Arbeitsbühnen aus vorgefertigten Bauteilen

Fahrbare Arbeitsbühnen, auch Rollgerüste oder Fahrgerüste genannt, werden in dieser einteiligen Norm geregelt. Rollgerüste bestehen aus vorgefertigten Bauteilen – hier werden die Anforderungen betreffend Maße, Werkstoffe, Lasten sowie sicherheitstechnische Anforderungen.

DIN EN ISO 14122 Sicherheit von Maschinen

Die Maschinenrichtlinie besteht aus vier Teilen. Die Norm regelt die Sicherheit von Maschinen, ortsfeste Zugänge zu maschinellen Anlagen. Der ortsfeste Zugang zwischen zwei Ebenen wird für die Ausführung als Arbeitsbühne und Laufsteg, Treppe, Treppenleiter und Geländer sowie ortsfeste Steigleiter ausgeführt.
Laufstege, Arbeitsbühnen, Rampen, Treppen, Treppenleitern, Geländer und Steigleitern an maschinellen Anlagen werden in der Norm beschrieben.
Mauderer Containertreppen sind unter anderem auf Basis dieser Norm ausgelegt.

DIN 14094-1 Feuerwehrwesen - Notleiteranlagen

Diese Norm betrifft Rettungswege. Notleiteranlagen sind bauliche Anlagen, über die Menschen im Gefahrenfall gerettet werden. Ergänzt wird diese Norm durch die Regelungen der DIN 18799-1 für Ortsfeste Leitern an baulichen Anlagen für Wartungs- und Reinigungsarbeiten.

ArbSchG – Arbeitsschutzgesetz

Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit.
Ziel des Gesetzes ist es, die Gesundheit aller Beschäftigten durch Maßnahmen des Arbeitsschutzes zu sichern und zu verbessern.

Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV)

Verordnung über Arbeitsstätten
Die Verordnung definiert Mindestvorschriften für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz von Beschäftigten beim Einrichten und Betreiben von Baustellen und Arbeitsstätten.
Sie hilft, Beschäftigte auf Baustellen bzw. Arbeitsstätten zu schützen und Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten vorzubeugen. Darüber hinaus dient sie der menschengerechten Gestaltung der Arbeit.

 

BetrSichV – Betriebssicherheitsverordnung

Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz vor der Verwendung von Arbeitsmitteln.
Diese Verordnung regelt in Deutschland die Bereitstellung von Arbeitsmitteln durch den Arbeitgeber. Darüber hinaus ist die Benutzung von Arbeitsmitteln durch die Beschäftigten bei der Arbeit geregelt sowie die Errichtung und den Betrieb von überwachungsbedürftigen Anlagen im Sinne des Arbeitsschutzes. Sie definiert Schutzkonzepte für Gefahren, die von Arbeitsmitteln ausgehen.

 

Handlungsanleitung für den Umgang mit Leitern und Tritten (DGUV Information 208-016)

Die frühere BGI 694  befindet sich derzeit in Überarbeitung. Sie wendet sich hauptsächlich an Unternehmer, die tragbare Leitern und Tritte für ihre Beschäftigten bereitstellen oder selbst benutzen. Es geht um die sichere Bereitstellung und Nutzung von Leitern und Tritten. Im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung wird ermittelt, ob nicht ein anderes Arbeitsmittel wie Gerüste oder Hubarbeitsbühnen für eine geplante Tätigkeit sicherer ist.
Bei der Auswahl der geeigneten Zugänge zu hoch gelegenen Arbeitsplätzen sind zu berücksichtigen:
– der zu überwindende Höhenunterschied,
– die Dauer und Häufigkeit der Benutzung,
– die Fluchtmöglichkeit bei drohender Gefahr und
– umfangreiche Werkzeug- und Materialtransporte

 

Technische Regeln für Arbeitsstätten - Verkehrswege - (ASR A1.8)

Diese Regeln gelten für das Einrichten und Betreiben von Verkehrswegen sowie für Treppen, ortsfesten Steigleitern und Steigeisengänge, Laderampen sowie Fahrsteige und Fahrtreppen.

 

Technische Regel für Betriebssicherheit (TRBS 2121 Gefährdungen von Personen durch Absturz)

Die technischen Regeln für Betriebssicherheit (TRBS) geben den Stand der Technik, der Arbeitsmedizin und Hygiene entsprechende Regeln und sonstige gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse für
    die Bereitstellung der Arbeitsmittel,
    die Benutzung von Arbeitsmitteln und
    den Betrieb von überwachungsbedürftigen Anlagen wieder.
Gefährdung von Personen durch Absturz (Allgemeine Anforderungen) werden in der TRBS 2121 geregelt. Hierbei sind die Teile 1 und 2 wesentlich:
TRBS 2121 Teil 1 Gefährdung von Beschäftigten durch Absturz bei der Verwendung von Gerüsten
TRBS 2121 Teil 2 Gefährdung von Beschäftigten bei der Verwendung von Leitern

 


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